Sven Kielgas Portrait

5 Fragen an: Sven Kielgas

Der Marketing Experte Sven Kielgas war bereits als Marketing Director Central/Eastern Europe bei Apple, hat für Serviceplan das Fürstentum Liechtenstein beraten, studierte vorher Medizin und ist derzeit Lehrbeauftragter am Institut für Kulturmanagement und Medien in München. Er hat sich bereit erklärt, mit KulturData ein Interview via E-Mail zu führen. Er antwortete auf die 5 Fragen zur digitalen Transformation, die auch bereits andere Experten zum Nachdenken angeregt haben. Am Ende des Beitrages finden Sie eine Übersicht der Interviewpartner.


Außerhalb der Kulturbranche reden alle von Digitalisierung. Ist das in Kulturbetrieben bereits ein Thema – abgesehen von Social Media?

»Es sollte eines sein, denn die Digitalisierung ist längst kein Spezialistenthema mehr und beschränkt sich keineswegs auf bestimmte Branchen. Vielmehr handelt es sich um ein „horizontales“ Phänomen, das alle Lebensbereiche durchdringt. Gerade die Kultur kann Wege des positiven Nutzens solcher Technologien aufzeigen, denn es geht am Ende ja stets um Kommunikation in verschiedenen Formen, digital unterstützt. Mithin um einen Kernauftrag der Kultur an sich.«

Sollte ein Kulturbetrieb, wie andere Betriebe auch, Daten sammeln und nutzen?

»Das Datensammeln sollte nur so weit stattfinden, wie es die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen fordern – und solange dies den Nutzern (Publikum, Zuschauer, Konsumenten) einen konkret erfaßbaren Mehrwert liefert. Da viele Kulturinstitutionen der Öffentlichen Hand gehören oder zumindest maßgeblich von ihr – nicht allein in wirtschaftlicher Hinsicht – abhängen, sollten gerade sie besonders vorbildlich mit Fragen des Persönlichkeits- und Datenschutz, aber auch der Datensicherheit umgehen. Immer jedoch muß der Konsument, um dessen Daten es geht, in der Kontrolle sein, was er/sie mit wem teilen will – und warum.«

Im British Museum gibt es bereits ein Data Science Team. Werden deutsche Kulturbetriebe in Zukunft auch Programmierer einstellen? Welche Aufgaben könnten diesen zukommen?

»Eindeutig: ja. Denn schon bei der Auswahl und Aufbereitung kultureller Formate ist die Reflektion an Nutzerdaten und –verhalten sehr hilfreich für einen Publikumserfolg. Zudem eröffnet die Digitalisierung ganz neue Wege der Kulturvermittlung. Und da sollten sich die Kulturinstitutionen eigener Kompetenz versichern, um nicht auf Dauer von (teuren) Dienstleistern abhängig zu sein. Last, but not least, wird Digitalisierung auch immer mehr zum Kernbestandteil künstlerisch-kultureller „Produkte“ werden. Allein solche zu Gehör, Gesicht oder Gefühl zu bringen, erfordert eben jene Kenntnisse, nicht zuletzt im Sinne der Qualiätssicherung im Sinne des vom Künstler Gewollten. Mit anderen Worten: Ausstellungsmacher, Bühnenbildner oder Filmregisseure müssen selbst „digital“ werden, zumindest ein Stück weit.«

Manche Kulturarbeiter sehen den digitalen Besucher als gleichwertig zum Besucher in der »echten« Welt an. Sie auch?

»Nur bedingt, denn nichts kann das unmittelbare Kultur-Erlebnis, gerade im großen Kreise eines zahlenstarken Publikums ersetzen. Digitalisierung hilft aber bei der Verbreitung und Verbreiterung dieses Erlebnisses. Und hat ein Rezipient erst eine Ebene des Kunstwerks erfahren oder ergründet, macht dies oft Lust auf mehr. Kurz:

Digitale und analoge Kulturrezeption verstärken sich gegenseitig
Deshalb glaube ich auch nicht an eine nur-analoge oder eine nur-digitale Zielgruppe, von beklagenswerten Einzelschicksalen einmal abgesehen…«

Was wird in 5 Jahren die größte Herausforderung für Kulturbetriebe sein – abseits von Budgets?

»Kultur besitzt die großartige Qualität, nicht nur zum Konsum, sondern auch zum Selber- und Mit-Machen anzustiften. Diesen Weg vom Konsumenten zum Prosumenten werthaltig und qualitätvoll auszugestalten, halte ich für eine besondere Herausforderung, für die gerade die Digitalisierung ganz neue Werkzeuge und Methoden offeriert. Wenn das »Schöne, Wahre, Gute« auf diesem Wege zum Teil eines jeden Menschenlebens wird, ist ein großer Schritt in Richtung einer besseren Welt gelungen.«


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