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Online Marketing für Kulturbetriebe ohne Google, Twitter, Facebook und E-Mail

Die meisten Leute, die ich kenne, denken beim Thema „Online-Marketing“ an Facebookwerbung, Instagramwerbung und manche noch an Googleanzeigen und Newsletter. Das tuen Sie auch teilweise zurecht, da der größte Teil der Werbeausgaben ins Facebook- und Google-Universum investiert wird.

Dennoch gibt es Möglichkeiten, durch die Beine dieser Giganten zu schlüpfen und ohne sie erfolgreiches Online Marketing zu betreiben. Wie läuft Online Marketing, wenn man Facebook/Instagram/WhatsApp/Google/YouTube/E-Mail NICHT nutzen möchte oder kann?

In diesem Blogpost stelle ich 6 Möglickeiten vor, die auch für Kulturbetriebe interessant sind.

1. Push-Benachrichtigungen

Ich unterscheide zwischen 2 Varianten von Push-Benachrichtigungen:

  1. Der rote Punkt bei Apps als Hinweis für „Ungelesenes“
  2. Das Hinweisbanner, welches man von „Breaking News“ kennt

Variante 1 ist bisher noch Apps vorbehalten, auch Progressive Web Apps (Mischmasch aus Webseite und App) können noch keine roten Benachrichtigungen anzeigen. Es gibt aber eine Fülle von Softwareanbietern, die eurer Webseite die Möglichkeit geben, Nachrichten an die Nutzer zu senden. Ich selbst nutze die „Breaking News“ Push-Nachrichten von spiegel.de, um mich zu informieren. Das t3n.de Magazin hat in der Ausgabe 52 „Digitalisiert euch!“ eine ausführliche Übersicht über mögliche Anbieter erstellt. Dort könnt ihr reinschauen und den Service wählen, der euch am ehesten zusagt.

Eine Hürde ist, wie beim Thema „E-Mail-Marketing“, die Anmeldung aus Nutzerseite zu diesen Pushs. Häufig ploppt das Pop-Up bereits beim ersten Besuch der Webseite auf und wird ungelesen weggeklickt. Daher würde ich (Bauchgefühl!) dazu raten, die Push-Benachrichtigungen entweder erst zu laden, wenn der Nutzer die Seite bereits mehr als 30 Sekunden nutzt – oder mittels Landing Page dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, sich bewusst für die Pushs anzumelden. Laut einer Analyse von Accengage (französischer Push-Anbieter) kann man mit einer Anmelderate von  12% der Webseitenbesucher rechnen.

Nach der Anmeldung bekommt der Nutzer dann Benachrichtigungen, die auch auf die Webseite verlinken können.

2. Messenger

Messenger? Ja, es gibt auch Messenger abseits von Facebook und WhatsApp. Eine Alternative zum Facebook Messenger ist der Anbieter intercom.com, der ein Live-Chatfenster auf Webseiten integriert. Intercom ermöglicht es, andere Dienste damit zu verknüpfen, sodass die Kundeninformationen z.B. in Salesforce übertragen werden können oder Anmeldungen zum Newsletter direkt zu MailChimp gelangen. Die Komische Oper Berlin nutzt bereits auf ihrer Webseite einen Messenger (ok, es ist der Facebook Messenger), damit Webseitenbesucher mit den Mitarbeitern chatten können und so bei offenen Fragen nicht einfach den Besuch beenden. Das ganze funktioniert analog zu einem Ticket-Büro, das man anrufen kann und einem weiterhilft.

3. Slack

Slack nutzen die meisten nur als interes Kommunikationstool. Aber das muss nicht sein: Die Online Marketing Rockstars machen es vor. Um Fragen für ihren Podcast #askOMR zu erhalten, gibt es die Option, sich in deren Slack Channel anzumelden. Die Anmeldung läuft über den E-Mail-Anbieter (glaube MailChimp) und funktioniert wie bei einem Newsletter. Nachdem sich der Interessent mit Double-Opt-In angemeldet hat, wird er für den Channel freigeschaltet und kann sich im Slack Channel anmelden.

4. Replug

Viele Kulturbetriebe teilen Kritiken über Ihre Veranstaltungen oder andere Beiträge von externen Webseite. Mit Tools wie Replug lässt sich dieser externe Traffic wieder auf eine interne Seite oder eine eigene Dienstleistung lenken. Im Prinzip ist es ein: „Hey, erinnerst du dich von wem du den tollen Linktipp hattest? Zu dieser Veranstaltung gibt es noch Tickets! …“

5. LinkedIn und Xing (und Amazon)

Den ersten 4 Alternativen fehlt leider eines: Reichweite. Woher sollen die ganzen Webseitenbesucher kommen? Klassischerweise wird Reichweite im Google Netzwerk oder in Facebook/Instagram aufgebaut. Obwohl die Altersstruktur von Theater und die Altersstruktur von Instagram nicht viel gemeinsam haben, sind doch die meisten Kulturbetriebe eher auf Instagram als auf „Business“ Plattformen wie LinkedIn oder Xing (obwohl bei Xing fast 80% über 35 Jahre alt sind). Warum nicht mal dort werben?

Ich habe Amazon in diese Liste aufgenommen, da sowohl Display- als auch Videoanzeigen dort ausgespielt werden können. Wenn man jedoch nicht über Amazon verkauft, funktioniert das derzeit nur ab einem Budget > 10.000€ und über einen Amazon Mitarbeiter. Ich vermute jedoch, dass sich Amazon dahingehend öffnen wird.

6. Affiliate Marketing

Es muss nicht immer der große Influencer sein: Statt Facebook und Google zu bezahlen, dass sie Links zu eurer Webseite ausspielen, könnt ihr selbst ein Provisionsmodell aufbauen – oder auf bestehende Netzwerk zugreifen. Oder noch besser: die Künstler selbst fragen. Jeder Künstler, der eine eigene (frequentierte) Onlinepräsenz hat, kann auf die Veranstaltung hinweisen, indem er auf seiner Webseite darauf verlinkt oder seine Fanbase auf den sozialen Netzwerken aktiviert.

Bestehende Netzwerke (wie Taboola) arbeiten mit Publishern zusammen, sodass Werbeanzeigen dort ausgespielt werden. Das funktioniert im Prinzip wie das Google Display Netzwerk oder das Facebook Audience Network.

7. Kennt ihr weitere Kanäle?

Diese Auflistung ist sicher nicht vollständig, daher freue ich mich über Tipps und Erfahrung. Einfach @kulturdata antwittern und ich nehme es hier auf.


Das Abendmahl in Emmaus (Michelangelo Merisi da Caravaggio) von 1601